Klatschmohn (Papaver rhoeas)

ist die Blume des Jahres 2017


Das strahlende Rot des Klatschmohns, inmitten unzähliger Getreidehalme, ist uns seit Kindheitstagen ein vertrauter Sommerbegleiter.

Tatsächlich sind die zarten Blüten auf unseren Hochleistungsäckern aber gar nicht mehr so häufig zu sehen. Auch der Klatschmohn verschwindet, wie so viele Ackerwildpflanzen schon vor ihm, allmählich aus seinem natürlichen Lebensraum, einem der wichtigsten Ökosysteme.

Sehen Sie sich die Bilder an und lesen Sie dann am Ende der Seite, dass mit dem Verschwinden der Ackerwildpflanzen, verursacht durch die intensive Landwirtschaft, viel mehr verloren geht, als es uns zunächst bewusst ist. Noch sind wir weit entfernt davon unseren blauen Planeten für uns lebenswert zu erhalten. Dazu gehört alles - vom Klimaschutz bis zu den Ackerwildkräutern. Kostenlos wird das nicht sein.

Bilder aktuell aus 2017


Ein nicht mehr bewirtschafteter Acker.

 

Die bekanntesten auf dem Acker - Mohn- und Kornblume.

 

Ein Kornfeld im Wind.

 

Typisch sind Mohnblumen auch auf abgelagerten Erdhaufen

 

Blütenknospen, Blüten und Samenkapseln.

 

Ein Rot, wie es schöner nicht sein kann.

 Bilder aus Vorjahren


Das Foto ist Ende der Sechzigerjahre entstanden. Im Gerstenfeld wächst der Mohn so hoch wie das Getreide. So und ähnlich sieht man den Klatschmohn nur noch selten.

 

Wenn die Knospenhülle abfällt, sind die Blütenblätter zunächst noch zerknittert, wie sie in der Hülle eingeschlossen waren. Sie glätten sich ähnlich wie Libellen- oder Schmetterlingsflügel nach kurzer Zeit.

 

Im Roggenfeld stehen die Blüten zwischen den Halmen.

 

Hier hat wohl die "Spritze" einen Streifen lang ausgesetzt.

 

Noch ein altes Foto, das den Klatschmohn zusammen mit Frauenspiegel und Ackerstiefmütterchen zeigt.

 

Ackerstiefmütterchen - Viola arvensis

 

Der Frauenspiegel - Legousia speculum-veneris - ein Glockenblumengewächs.

 

Neben dem Klatschmohn wohl die bekannteste Ackerwildblume. Die Kornblume - Centaurea cyanus.

 

Dagegen auf den Äckern inzwischen nicht mehr zu finden die Kornrade - Agrostemma githago. Ein hochwachsendes einjähriges Nelkengewächs.

 

Während der Klatschmohn besser auf basischen Böden wächst, ist die Kornblume auch auf Silikat zuhause. Auch bei dieser Aufnahme scheint es, dass die Unkrautspritze nicht alles erwischt hat. - Das Auge freut sich!

 

Der Saat-Hohlzahn (Galeopsis segetum) hat seinen deutschen Namen auch aus seinem Vorkommen beim Ackerbau. Für eine große Anzahl von einjährigen und auch zweijährigen Pflanzen bot die Bearbeitung der Felder optimale Lebensbedingungen.

 

Zu den Mohngewächsen zählt der Gewöhnliche Erdrauch (Fumaria officinalis). Die Pflanze ist also zum Klatschmohn verwandt, auch wenn es erst gar nicht so aussieht.

 

Ideal für die Ackerwinde (Convovula arvensis), die Halme der Getreidepflanzen zum Hochranken.

 

Der
Der Ackergauchheil (Anagallis arvensis) wächst niedrig und bringt kleine rote Tupfer zwischen locker wachsendes Getreide.


Bei uns sehr selten ist der Blaue Gauchheil (Anagallis foemina). Der rote und der blaublühende Gauchheil zählen zu den Schlüsselblumengewächsen.

 

Die Blüte der Ackerröte (Sherardia arvensis) sind noch kleiner als die des Gauchheil.

 

Auch dieses Bild ist, wie das am Anfang der Seite, Ende der Sechzigerjahre entstanden. Man sieht, ein Feld mit Klatschmohn war immer schon attraktiv, auch für Personenaufnahmen.


Auf den intensiv bewirtschafteten Äckern lebten einmal ursprünglich rund 350 Pflanzenarten. Viele von ihnen gelten heute als bedeutendes biologisches Erbe unserer Kulturgeschichte. Doch moderne Technik und Spritzmittel verdrängten letztlich die Vielfalt der Ackerwildpflanzen.

„Eine ganze Lebensgemeinschaft, die uns seit tausenden Jahren begleitet, droht zu verschwinden“, so Axel Jahn , Geschäftsführer der Loki Schmidt Stiftung. Dabei müssen nur 20 Pflanzenarten als echte Problempflanzen der Landwirtschaft in Schach gehalten werden - sie erschweren die Ernte, mischen sich in das Saatgut oder enthalten vereinzelt gar giftige Stoffe.

Die anderen Wildpflanzen bereichern die Acker-Kulturlandschaft aber nicht nur ästhetisch. Durch den Rückgang der botanischen Vielfalt im Ackerland sind inzwischen auch wichtige Bestäuber wie Schmetterlinge und Bienen stark bedroht. Andere Insekten und Spinnen, die diese Wildpflanzen als Nahrungspflanzen und als Refugien nutzen, sind ebenfalls betroffen. Dabei bekämpfen viele dieser Tierarten landwirtschaftlich bedeutende Schädlinge wie Blattläuse und dienen so als nützliche Helfer. Die Verarmung der Ackerlebensgemeinschaft wird so zum komplexen Problem.

Der beliebte Klatschmohn steht in diesem Jahr stellvertretend für weitere bedrohte Ackerwildpflanzen und damit für den Verlust der bunten Vielfalt im Landbau. Während hoch spezialisierte Ackerwildkräuter - wie zum Beispiel die Kornrade (Blume des Jahres 2003) - bei uns fast ausgestorben sind, ist der bundesweit noch ungefährdete Klatschmohn bisher ein Überlebenskünstler: stellt er doch nur wenige Ansprüche an seine Umgebung. Wohl fühlt er sich an hellen, frischen und eher stickstoffreichen Standorten. Diese boten ihm eben einst unsere Getreideäcker. Doch während der Klatschmohn dort ebenfalls einen starken Rückgang erlitten hat, überlebt er mittlerweile überwiegend auf Ausweichflächen wie zum Beispiel Brachen und Schuttplätzen. Auch in unseren Gärten ist er beliebt und häufig zu finden.

(Der Text stammt teilweise aus der Veröffentlichung der Loki-Schmidt-Stiftung.)

 

 

 

 

 

 

Der Schwarze Nachtschatten - Solanum nigrum - mit reifen und unreifen, giftigen Früchen. Die Blüte ist weiss. Auch eine Begleitpflanze beim Ackerbau.