Schrecken und Wanzen

Schrecken und Wanzen, nicht gerade Namen mit Empfehlung. Meist jedoch harmlos und doch hoch interessant, wenn man sich mit ihnen beschäftigt.

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Schrecken
Wollen wir den „Schrecken“ erst einmal ohne Vorurteil begegnen. Man kennt natürlich die Heuschreckenplage aus der Bibel. Bei uns gibt es das nicht, könnte aber mit fortschreitendem Klimawandel doch dazu kommen. - Die abgebildeten Arten stammen alle aus unserer Gegend und sind in intakter Natur meist harmlos und auf jeden Fall eine Bereicherung unserer Umwelt. - Man muss sich nicht unbedingt mit der Einteilung der Arten beschäftigen. Bei uns sind das, etwas vereinfacht gesehen, die Laubheuschrecken mit den langen Fühlern und Feldheuschrecken mit den kurzen Fühlern. Die meisten unserer Schrecken ernähren sich von anderen Insekten oder weichen Pflanzenteilen. Ihre Eier legen sie in die Erde. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich fünf- bis siebenmal häuten und vor allem in späteren Stadien auch Nymphen genannt werden. Nach jeder Häutung sieht die Nymphe ihrer fertigen Schrecke ähnlicher. Man muss schon genau hinsehen um die letzte Nymphe vom fertigen Insekt zu unterscheiden. Im Frühsommer sieht man mehr Nymphen, August und September ist die Zeit der fertigen Schrecken, der Paarung und der Eiablage. Die meisten Arten erzeugen ihren „Gesang“ mit den Flügeln, an denen die Stridulationsorgane (Lauterzeugung) sitzen. Einige sind stumm andere erzeugen Geräusche mit ihren Mundwerkzeugen. Im Reich der Insekten findet man sich durch Gesang und sie hören mit den Beinen.

Vielfältig sind die Biotope, die sich für die Vermehrung, den Aufenthalt und die Ernährung unserer Schrecken und Wanzen eignen.  Schrecken nutzen Wiesen und Büsche um dort zu leben und um im Boden ihre Eier abzulegen. Die Wanzen brauchen Pflanzen zur Eiablage, als Verstecke vor Fressfeinden und z. B. die nährstoffreichen Pflanzensamen der Waldengelwurz als Nahrung für ihre Larven.

 Das Grüne Heupferd - Tettigonia viridissima, wird von vielen Menschen erkannt. Es lebt auch in naturbelassenen Gärten. Sie sind groß und getarnt, plötzliche Bewegungen erschrecken uns. Da mit erklärt sich wohl am besten der Name „Schrecke“.  

Hier ein Weibchen mit Legeschwert oder auch Legestachel genannt. Es singen nur die Männchen, den Weibchen fehlen die Stridulationsorgane, die zur Lautäußerung notwendig sein. Das Grüne Heupferd ist ein recht guter Flieger.

 

 Dieses Bild zeigt eine Nymphe (Larve) des großen Heupferds in einem fortgeschrittenen Stadium. Die Flügelansätze sind noch kurz, die Fühler jedoch schon recht lang.

Gemeine Sichelschrecke -  Phaneroptera falcata
Sie ist mit bis zu 18 mm Länge nur etwa halb so groß wie die oben gezeigte Art. Vom Klimawandel begünstig breitet sie sich diese Laubheuschrecke in letzter Zeit stark aus. Sie ernährt sich ähnlich
wie das Heupferd, also polyphag (vielseitig), hauptsächlich jedoch von Laubbäumen aber auch von Beeren und Früchten. Nachts ist aus kurzer Entfernung das Zirpen der Männchen zu hören. Die Fühler sind extrem lang. Richtige Langfühlerschrecken also.


Punktierte Zartschrecke - Leptophyes punctatissima (linkes Bild), zeigt ein Weibchen mit dem,„Legesäbel“. Es ist eine Langfühler-
schrecke, die man eher im Gebüsch findet.
Goldschrecke (rechts oben) - Chrysochraon dispar im letzten Larvenstadium,  Brauner Grashüpfer (rechts unten) - Chorthippus brunneus, ein männliches erwachsenes Exemplar.
Zwei Kurzfühlerschrecken. Die Goldschrecke legt ihre Eier in den Stängeln von stabilen Pflanzen ab, der Braune Grashüpfer in der Erde.
links: Roesels Beißschrecke - Roeseliana roeselii.
Hier ein Männchen. Sie sind tagaktiv und ernähren sich von Gräsern, selten von Insekten Zur Eiablage werden die Stängel erst angebissen.
rechts: Sumpfschrecke - Stethophyma grossum.
Ihre Eier benötigen feuchten Boden zur Entwicklung. Sie leben in 
Flachmooren, Seggenrieden und Nasswiesen.
Wanzen
Wanzen können natürlich auch schön sein, wie die Bilder zeigen. Wir Menschen teilen uns die Natur immer in nützlich oder schädlich ein. Schädlich, wenn sie an Pflanzen saugen. Nützlich, wenn sie sich von Blattläusen und anderen „Schädlingen“ ernähren. Wir können das schon ein wenig beeinflussen, man kann Wanzen ganz einfach absammeln oder schauen, ob sie nicht doch nützlich sind und Läuse verspeisen. - Gift ist immer die schlechteste Methode. - Die Wanzen überwintern an Gehölzen, Stauden, Holzstapeln und alten Mauern. Sie suchen dazu auch Unterschlupf in unseren Häusern. Guter Rat: Einfach einsammeln und auf einem Laubhaufen aussetzen. Ihre Eier legen sie im Frühjahr auf Pflanzen ab. Dort ist für die jungen Larven auch gleich die Nahrung vorhanden. Fünf Larvenstadien und fünf Häutungen durchläuft das Insekt bis zur fertigen Wanze. Einmal im Jahr läuft ein Vermehrungszyklus ab, selten zweimal. Duftstoffe sind für Wanzen das Mittel der Verständigung. Viele stinken nur, wenn sie sich wehren müssen. Weiter dienen die Geruchstoffe, also Pheromone dazu sich einen Partner zu suchen. - Eher leicht ist die Bestimmung bei vielen roten Wanzen. Veränderlich grün bis braun sind viele Arten. Oft helfen arttypische Kennzeichen oder Formen.

Ritterwanzen - Lygaeus equestris, bei der Paarung auf einer Schwalbenwurzpflanze.Von dieser Pflanze ernährt sie sich auch, selten sogar vom Löwenzahn. Von giftigen Pflanzen speichern sie die Gifte im Körper und werden dadurch selbst giftig. Die rote Farbe dient zusätzlich als Abschreckung. Ritterwanzen sind
Bodenwanzen. Ihre Eier legen sie in lockeren, trockenen Boden. Die Entwicklung erfolgt in mehreren Nymphenstadien. Das ausgewachsene Insekt überwintert.
Auch als Wanze kann man es bis zum Insekt des Jahres schaffen - das war 2007.

links: Feuerwanzen - Pyrrhocoris apterus sind weit verbreitet, kommen auch in größeren Gruppen vor.
rechts: Streifenwanzen - Graphosoma italicum findet man vor alleman Pflanzen. Beide Arten leben an Pflanzen und von Pflanzensäften.

links: Glasflügelwanze - Stictopleurus abutilon.Die Familie ist artenreich und weltweit verbreitet. Diese Art lebt vor allem auf Korbblütlern und ist nicht als Schädling bekannt.
rechts: Nymphe der Palomena prasina, der Grünen oder Gemeinen Stinkwanze. Sie saugen an Pflanzen und Pflanzensamen. Bei Gefahr stoßen sie ein Sekret ab, das lange anhaltend stark riecht.

oben: Fruchtwanze - Carpocoris fuscispinus
unten: Beerenwanze - Dolycoris baccarum
Beide aus der Familie der Baumwanzen. Sie sind sehr ähnlich und veränderlich und daher oft schwer zu unterscheiden. Oft hilft es, wenn man sich die Form, Fühler und Beine genau ansieht.

Oben: Kohlwanze - Eurydema oleraceum
Unten: Gemeine Blutzikade - Cercopis vulnerata 
Die Wanze lebt auf Kreuzblütlern, wie Kohl. Zikaden „singen“ und für den Nachwuchs produzieren sie Schaumnester.